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Hier findest du unser Newsletter-Archiv. Unser Ziel ist klar: Wir wollen Gesichtsblindheit in der gesamten Gesellschaft bekannt machen.
In unserem Newsletter teilen wir regelmäßig spannende Neuigkeiten, Hintergrundwissen und aktuelle Entwicklungen rund um das Thema Prosopagnosie. Wenn du keine Ausgabe mehr verpassen möchtest, trage dich gerne direkt für unseren Verteiler ein.

Bisherige Newsletter-Ausgaben
Welche Form von Gesichtsblindheit hast du? (... und wer will mitmachen?)
Gesendet am: 30.05.2026
Ist deine Gesichtsblindheit leicht, mittel oder schwer? Es gibt Einstufungen, die hilfreich sein können. Vieles ist aber noch sehr vage.
Liebe Leserin, lieber Leser 👋,
in den letzten Newslettern hatten wir uns mit „Gesichtsblindheit + X“ beschäftigt. Dabei ging es um mögliche Begleiterscheinungen wie Schwierigkeiten bei der Orientierung. Außerdem haben wir eure Erfahrungen geteilt, ob Gesichtsblindheit (Prosopagnosie) bei euch gemeinsam mit anderen sogenannten Neurodivergenzen (wie ADHS, Autismus, Dyslexie usw.) auftritt.
Diesmal wollen wir genauer auf die Gesichtsblindheit selbst schauen:
👉 Wie nimmst du deine eigene Gesichtsblindheit wahr?
Bei den meisten gesichtsblinden Personen ist es so, dass Gesichter zwar voll und ganz gesehen werden, der Gesichtseindruck aber sofort wieder vergessen wird. Es gibt jedoch auch andere Formen: Manche Menschen nehmen ein Gesicht nicht in all seinen Details wahr, sondern sehen eher undeutliche oder vage Flächen. Ich vermute, dass dies eher selten ist – genaue Zahlen dazu sind mir aber nicht bekannt.
Die Ruhr-Uni Bochum hat vor längerer Zeit vier Kategorien untersucht und festgelegt. Ich finde diese Einordnung sehr spannend:
- Gesichtsblind-Minimum: Diese Personen haben manchmal Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen, wenn eine Person an einem Ort auftaucht, wo sie nicht erwartet wird. Die Beeinträchtigung wird im Alltag oft als eher harmlos wahrgenommen. Das sind vermutlich die Menschen, die von sich sagen, dass sie nur eine „leichte Gesichtsblindheit“ haben.
- Gesichtsfeldlücken: Gesichter werden nur sehr undeutlich wahrgenommen, da es Lücken im Gesichtsfeld (dem sichtbaren Bereich, ohne die Augen zu bewegen) gibt.
- Gesichtsvergessen: Gesichter werden deutlich wahrgenommen, jedoch vergessen Betroffene dieser Kategorie ein bestimmtes Gesicht innerhalb von Minuten wieder.
- Gesichtsidentität: Gesichter werden nur als vage Fläche erkannt. Deshalb werden verschiedene Gesichter häufig als identisch angesehen.
Übrigens gibt es noch eine weitere Form der Unterteilung – nämlich in die assoziative und apperzeptive Prosopagnosie:
- Assoziative Prosopagnosie: Gesichter können unterschieden werden, auch Alter und Geschlecht werden am Gesicht richtig erkannt. Was jedoch nicht klappt, ist die konkrete Zuordnung einer Person anhand ihres Gesichts. Das ist die häufigste Form der Gesichtsblindheit.
- Apperzeptive Prosopagnosie: Alter und Geschlecht können nicht sicher am Gesicht identifiziert werden. Teils gestaltet sich auch das Erkennen von Emotionen schwierig. Es gibt außerdem sehr seltene, schwere Fälle, in denen Gesichter nicht von anderen Objekten unterschieden werden können.
👉 Wie sieht's bei dir aus? Kannst du dich einer dieser Kategorien zuordnen?
Viele fragen sich, ob sie eine leichte, mittlere oder schwere Prosopagnosie haben. Das Ganze ist noch sehr vage und muss genauer untersucht werden. Die meisten ordnen sich daher nach Bauchgefühl ein. Eine erste Hilfestellung bietet unser Online-Test als Fragebogen.
Vielleicht ist das eines der Themen, die wir gemeinsam vorantreiben können? Denn jetzt kommst du ins Spiel: Wir haben eine erste, kleine Gruppe von Menschen aufgebaut, die aktiver werden möchten.
👉 Bist du dabei und kannst dir vorstellen, dich für ein paar Stunden im Monat ehrenamtlich einzubringen? Dann melde dich gerne bei uns und wir sprechen einmal ganz unverbindlich miteinander!
So viele Antworten! Eure Erfahrungen mit Gesichtsblindheit + X
Gesendet am: 16.03.2026
Ob häufigere Begleiterscheinungen wie Probleme mit der Orientierung, andere Neurodivergenzen (wie Autismus oder ADHS) oder ganz eigene Wahrnehmungsphänomene – wir sind damit nicht allein.
Liebe Leserin, lieber Leser,
im letzten Newsletter haben wir eine Frage in den Raum gestellt: Kommt Gesichtsblindheit bei euch im „Paket“ mit anderen Veranlagungen?
Es hat uns wirklich umgehauen: Mehr als 10 von euch haben sich direkt gemeldet und ihre Geschichten geteilt! Ob häufigere Begleiterscheinungen wie Probleme mit der Orientierung, andere Neurodivergenzen (wie Autismus oder ADHS) oder ganz eigene Wahrnehmungsphänomene – wir sind damit nicht allein. Und manchmal bringen genau diese Erfahrungen auch ungeahnte Stärken hervor.
Hier sind ein paar eurer spannendsten Rückmeldungen. Vielen Dank für diese offenen Einblicke!
Neurodivergenz & besondere Stärken
„Ich bin gerade in der Enddiagnostik zu AuDHS, beides zeichnet sich aber ab. Gesichtsblindheit ist vorhanden, wenn auch nicht bei allen Menschen/Gesichtern. Stärken: Ein großes Herz mit dem Drang nach Gerechtigkeit.“ – Anna
Kreative Bewältigungsstrategien im Beruf
„Schon in alten Notenlisten habe ich meine Merkhilfen gefunden: Pfeil nach oben: groß; )(: schlank; (): füllig; Strich oder Kringel: glatte/lockige Haare [...]. Ich dachte immer, ich tue mich nur mit Namen lernen schwer [...], was besonders schlimm war, wenn mir die Schüler, die ich 5 Minuten vorher im Unterricht hatte, auf dem Pausenhof begegnet sind und ich sie nach dem Namen fragen musste.“ – Jan (Lehrer)
Gesichtsblindheit als "Familien-Ding"
„Ich bin spät-diagnostizierte Autistin mit ADHS und bin gesichtsblind. :) Ich habe eine weitere autistische Freundin mit ADHS, die auch gesichtsblind ist [...]. Mein Vater (74) ist nicht diagnostiziert, aber höchstwahrscheinlich Autist mit ADHS und auch gesichtsblind, genau wie mein Bruder [...]. It's a thing!“ – Lena
Die Tücken der Orientierung
„Und wenn Orientierungslosigkeit auch dazu gehört... Ich kenne niemanden, der sich so oft verfährt wie ich. Mein Sohn hilft mir, sonst bin ich ziemlich oft nicht da, wo ich hin wollte... Parkplätze wiederfinden? Sehr schwer...“ – Martina
Andere Tücken der visuellen Wahrnehmung
„[...] habe keinerlei räumliches Sehen. Da ich deshalb keine Bälle fangen kann, galt ich immer als unsportlich [...], bis ich mir selbst durch Teilnahme an mehreren Marathons das Gegenteil bewies. Parallele Linien verschwimmen vor meinen Augen. [...] Wenn eine IBAN-Nummer nicht in Viererblöcke unterteilt ist und viele Nullen enthält, muss ich diese einzeln zuhalten, um sie zu zählen.“ – Jan
Umgang mit Gegenständen im Raum
„...obwohl meine Augen in Ordnung sind, greife ich oft daneben, wenn ich etwa eine Tasse in die Hand nehmen will, oder mir fällt ständig etwas herunter, das ich bereits in der Hand halte.“ – anonym
Lust auf mehr Austausch?
Beim Lesen all dieser Nachrichten wurde uns wieder eines klar: Durch den persönlichen Austausch mit anderen Gesichtsblinden fällt es so viel leichter, offener und vor allem humorvoller mit der eigenen Veranlagung umzugehen. Man muss sich nicht erklären, man wird direkt verstanden.
Wie geht's dir damit? Hättest du Lust, dich noch direkter zu vernetzen? Wir sind gerade dabei, eine Gruppe für Gesichtsblinde aufzubauen, die Lust haben, aktiver zu werden und sich im Alltag unkompliziert auszutauschen.
"Nur" gesichtsblind? (Begleiterscheinungen, ADHS, Autismus & Co.)
Gesendet am: 31.01.2026
Elkes Geschichte und warum Gesichtsblindheit manchmal im Paket kommt.
Liebe Leserin, lieber Leser,
ist Gesichtsblindheit wirklich das einzige Puzzleteil, das unsere Wahrnehmung anders macht?
Im Austausch mit euch merke ich immer öfter: Manchmal kommen mehrere Besonderheiten „im Paket“ zusammen. Zwei Beispiele aus der Community zeigen das eindrücklich:
1. Der Blick in die Augen (Steffen, 39)
„Mir fehlt die Fähigkeit, nur anhand des Augenausdrucks die Stimmung zu erkennen. Ich analysiere immer den sprachlichen Ausdruck, den gesamten Körper und den Kontext des Gesprächs, um mein Gegenüber besser einzuordnen.“
Spannend dabei: Der sogenannte „Augentest“ ist oft auch Bestandteil einer Autismus-Diagnostik.
2. Das fehlende Puzzleteil bei ADHS (Elke, 58)
Elke hat eine ADHS-Diagnose. Trotzdem fühlte sie sich selbst in ADHS-Gruppen oft fremd und konnte keine Verbindung aufbauen. Der Groschen fiel erst durch eine Kollegin im Büro: Elke erkannte Mitarbeiter nur an Kleidung oder Stimme, nie am Gesicht.
Ihre Erkenntnis: Die ADHS erklärt die Reizoffenheit, aber erst die Gesichtsblindheit erklärt das soziale Unbehagen.
Begleiterscheinungen kennenlernen
Als mögliche Begleiterscheinungen von Gesichtsblindheit sind – neben der erwähnten Schwierigkeit beim Erkennen von Augenmimik – Auswirkungen auf die Orientierung bekannt und außerdem auf die Identifikation von Geschlecht und Alter.
Wir sehen, dass es Überschneidungen zu anderen sogenannten „Neurodivergenzen“ geben kann. Im Autismus-Spektrum ist Gesichtsblindheit nicht selten. Neben Elke haben sich schon mehrere Personen mit ADHS über unsere Webseite gemeldet.
Jetzt bist du dran! Hast du neben der Gesichtsblindheit andere Besonderheiten in deiner Wahrnehmung, die sehr herausfordernd im Alltag sind – oder vielleicht besondere Stärken mitbringen?
Gesucht: Gesichtsblinde Interviewpartner aus Karlsruhe für BNN (+ kurzes Update)
Gesendet am: 19.12.2025
Liebe Leserin, lieber Leser,
eigentlich hatte ich mich schon in die Weihnachtspause verabschiedet. Doch zwei Neuigkeiten möchte ich noch vorab mit dir teilen.
1. Ein riesiges Dankeschön: Die Resonanz auf den letzten Newsletter ist fantastisch: Innerhalb von nur 24 Stunden haben sich bereits 101 Personen für die kommende Studie über Gesichtsblindheit der Ruhr-Uni angemeldet. Ein starkes Zeichen!
2. Presseanfrage aus Karlsruhe: Uns hat eine Anfrage der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) erreicht. Die Zeitung plant für Anfang 2026 einen Artikel über Prosopagnosie, passend zu einer anstehenden Buchveröffentlichung (Carlottas Welt).
Für diesen Artikel wird eine gesichtsblinde Person aus Karlsruhe oder der Umgebung gesucht, die bereit wäre, ein Interview zu geben und etwas aus ihrem Alltag zu erzählen.
Studie zu Gesichtsblindheit startet: Deine Hilfe wird gebraucht
Gesendet am: 14.12.2025
Liebe Leserin, lieber Leser,
kennst du Momente wie diese?
- „Ich finde mich in einer fremden Stadt super zurecht. Aber ich erkenne nach drei Wochen Urlaub einen Teil meiner Kollegen nicht wieder.“ (Susanne)
- „Manchmal erkenne ich Familienmitglieder nicht und muss meinen Mann fragen, wer mich da gerade umarmt hat.“ (Ute)
In vielen Gesprächen seit dem letzten Newsletter wurde eines klar: Es ist eine riesige Erleichterung, unserer Veranlagung endlich einen Namen geben zu können. Aber es gibt noch so viele offene Fragen: Wie unterscheiden sich die Ausprägungen? Welche Strategien funktionieren wirklich? Und wie hängt das alles mit dem Orientierungssinn und anderen Formen der Wahrnehmung zusammen?
Fest steht für mich: Die Diagnose „Gesichtsblindheit“ muss bekannter werden, damit noch mehr Betroffene überhaupt erkennen können, was ihnen „fehlt“ und wie sie damit umgehen können.
Ich konnte Prof. Boris Suchan von der Ruhr-Uni Bochum für unser Thema gewinnen. Er hat angeboten, diese Fragen im Rahmen einer Masterarbeit beleuchten zu lassen. Das ist ein großer Schritt, um Gesichtsblindheit aus der "Nische" zu holen und bekannter zu machen.
Dafür brauchen wir dich. Damit die Studie im Januar 2026 starten kann, benötigen wir etwa 50 bis 100 Personen (gerne mehr!), die bereit sind, anonym und digital einen Fragebogen auszufüllen.
Es kostet dich nur etwas Zeit, aber dein Beitrag hilft uns allen, sichtbarer zu werden. Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass Gesichtsblindheit in der Wissenschaft und der Gesellschaft den Platz bekommt, den sie verdient.
Der nächste Schritt für gesichtsblind.de – gemeinsam mit dir?
Gesendet am: 11.09.2025
Hallo!
Du hast dich vor einiger Zeit für den Newsletter von gesichtsblind.de eingetragen. Auch wenn es hier noch still war, möchte ich mich zuerst einmal riesig für dein Interesse und dein Vertrauen bedanken!
Heute wende ich mich mit einer besonderen und sehr persönlichen Bitte an dich. Seit dem Start der Webseite vor über drei Jahren hat sich gesichtsblind.de zu einer wichtigen Anlaufstelle entwickelt: Jeden Monat finden zwischen 1.500 und 2.000 Menschen hier Informationen und Orientierung. Über 9.000 von euch haben den Online-Fragebogen ausgefüllt, was zeigt, wie groß der Bedarf an Aufklärung wirklich ist.
Diese Zahlen machen Mut, aber sie zeigen mir auch: Das Potenzial ist riesig und ich stoße allein an meine Grenzen. Ich hatte anfangs zwar Unterstützung, aber weitestgehend stemme ich das Projekt neben Familie und Beruf komplett alleine. Oft bleiben wertvolle Ideen liegen, weil mir schlicht die Zeit fehlt, sie umzusetzen. Es geht nur in Trippelschritten weiter.
Und genau hier kommst du ins Spiel. Ich möchte nicht länger nur eine "One-Man-Show" sein. Meine Vision ist es, ein kleines, engagiertes Kernteam aus 3-4 Personen aufzubauen, die die Mission von gesichtsblind.de teilen und vorantreiben wollen.
Stell dir einmal vor, was wir gemeinsam erreichen könnten:
- Regelmäßigere Blogartikel und persönliche Geschichten, die anderen Mut machen.
- Gezielte Aufklärungsmaterialien für Kitas, Schulen, Soziale Einrichtungen, Ärzte und Therapeuten.
- Den Aufbau einer echten Community-Plattform für den direkten Austausch.
- Eine viel größere Reichweite, um Gesichtsblindheit endlich aus der Tabu-Ecke zu holen.
Ich suche Menschen wie dich, die Lust haben, mit ihrer Motivation und ein wenig ihrer Zeit einen echten Unterschied zu machen. Es geht nicht darum, unzählige Stunden zu investieren. Es geht um die Regelmäßigkeit und den gemeinsamen Willen, Gesichtsblindheit in der gesamten Gesellschaft bekannt zu machen.
Vielleicht denkst du jetzt: "Ich traue mich aber noch nicht, offen über meine Gesichtsblindheit zu sprechen."
Das verstehe ich vollkommen. Auch ich habe Jahre gebraucht, um diesen Schritt zu wagen. Deshalb ist mir ganz wichtig: Du musst nicht mit deinem Namen in der Öffentlichkeit stehen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, im Hintergrund zu unterstützen – vom Schreiben von Texten über Recherche bis hin zur Organisation. Wir finden einen Weg, der für dich passt.
Bist du bereit, den nächsten Schritt mit mir zu gehen? Wenn dich dieser Gedanke begeistert und du mehr erfahren möchtest, dann melde dich einfach über das Kontaktformular auf der Webseite. Ich freue mich riesig, von dir zu hören!
Herzliche Grüße,
Eric
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